
4:1 gegen England, 4:0 gegen Argentinien. Als deutscher Fußball-Fan ist man ja ohnehin extrem erfolgsverwöhnt, was Weltmeisterschaften angeht, aber das hier ist der blanke Wahnsinn. Begeistert hat die Nationalmannschaft uns schon oft, aber diesmal lässt sie uns nur noch staunen. Wer behauptet, er hätte eine deutsche Nationalelf schon mal so spektakulär spielen sehen wie diese, gehört entweder zur „Früher-war-alles-besser“-Fraktion – oder ist ein Lügner.








Manchmal fragt man sich, ob man ein anderes Spiel gesehen hat, als diejenigen, die im Fernsehen darüber berichten. Soeben endete die Partie Spanien gegen Portugal und die erste Frage von ZDF-Frau Katrin Müller-Hohenstein an Oliver Kahn lautete: "Ein souveräner Sieg sieht anders aus, oder?" Wie jetzt? Nur weil das Ergebnis knapp war, muss es das Spiel doch längst nicht gewesen sein. Die Ballsicherheit der Spanier war beeindruckend. Wer einen Weltklasse-Gegner dermaßen sicher im Griff hat, wie es in der entscheidenden Phase der Fall war, gehört zu den absoluten Top-Favoriten.
Eben waren wir noch die beste Mannschaft der WM und nun müssen wir ums Weiterkommen bangen. So schnell kann’s gehen. Unglaublich, wie bitter dieses 0:1 gegen Serbien zustande kam. Die deutsche Elf hat in Unterzahl bravourös gekämpft. Aber was, bitte schön, war denn das für ein lächerlicher Platzverweis?
"Es sind nicht mehr drei oder vier Zugvögel wie vor ein paar Jahren", sagt Uwe Liebig zur Bezirksliga, "man sieht jetzt ganze Schwärme am Himmel." Diese Mentalität sei nicht der Hauptgrund für seinen Rücktritt, erklärt der scheidende Trainer. Doch wenn einzelne Spieler praktisch jede Woche von einem neuen Angebot eines Konkurrenten erzählen - wundert es dann noch, wenn sie nicht mehr für ihren aktuellen Verein alles geben ?
Bisweilen lohnt es sich doch, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, Eishockey mit Inlinehockey, ein 1:9 mit einem 16:3. Wer am Freitag den Adendorfer EC gegen Rostock untergehen und tags darauf die Boars gegen die Ostseestädter triumphieren sah, der fühlte sich wie auf zwei verschiedenen Planeten. Hier der Frust, da die Lust. Was für den AEC doppelt bitter ist: Spieler wie Gerth, Fitzner oder Laudan, die in Adendorf keine Perspektiven mehr gesehen haben, drücken nun dem Spiel der Boars ihren Stempel auf.