Seit Saisonbeginn schreibt Olaf "Hucky" Fink bei LZsport über "seinen" HSV. Zum Jahresausklang zieht er eine Bilanz der wieder mal turbulenten Hinrunde, in der beim Bundesliga-Dino nicht weniger als vier Trainer durchgeschleust wurden.
Nach dem tollen Sommertrainingslager war ich ja, wie eigentlich immer nach Sommer- und Winterpause, richtig euphorisch, was meinen HSV anging. Schon da hatte ich gute Spieler ausgemacht. Gökhan Töre stand bei mir neben Heung Min Son ganz oben auf der Liste der Senkrechtstarter. Und der junge Deutsch-Türke hat den Durchbruch geschafft. Und wie! In den nächsten Tagen, so habe ich gelesen, wird sein Marktwert von bisher zwei auf fünf Mio. Euro steigen. Töre hat mich auch die ganze Saison begeistert. Wenn er jetzt noch lernt, nicht mehr den vierten und fünften Gegenspieler ausdribbeln zu wollen, dann wird er noch besser.
Von Jaroslav Drobny war ich anfangs nicht so begeistert. Ich hatte eigentlich gehofft, dass der damalige Trainer dem jungen Tom Mickel mal eine Chance im Tor gibt. Mickel zeigte in meinen Augen durchweg gute Trainingsleistungen und überzeugte auch in den Freundschaftsspielen. Aber Drobny sollte es werden. Und so wurde er DIE Figur der Hinrunde. Anfangs spielte er unglücklich und schwach, patzte auch das eine oder andere Mal. Genau wie die gesamte Mannschaft! Ein Abstiegsrang in der Tabelle war die Konsequenz. Trainer Oenning wurde entlassen, Cardoso übernahm, auch Frank Arnesen war kurzzeitig Trainer und letztendlich wurde Thorsten Fink der neue Coach des HSV. Und als ob sich eine Blockade gelöst hat, wurde Drobny besser, sicherer - wie die gesamte Mannschaft. Das Spielsystem wurde etwas umgestellt und erfolgreicher. Der erste Heimsieg ließ allerdings noch etwas länger auf sich warten, konnte dann aber gegen Hoffenheim eingefahren werden. An diesem Tag war, für mein Empfinden, das Wort "endlich" das Wort des Tages. Und endlich ist auch das Wort, mit dem ich die Vorrunde abhaken möchte: Endlich steht eine geschlossene Mannschaft auf dem Platz. Endlich spielt die Mannschaft wieder Fußball. Man muss ja nicht jedes Spiel gewinnen, aber muss es gewinnen wollen! Endlich gibt die Mannschaft uns Fans wieder das Gefühl "Wir wollen gewinnen!". Endlich sind die Abstiegsränge verlassen.
An dieser Stelle muss man aber auch mal den Vorstand des HSV loben. In schwierigen Zeiten hat Edgar Jarchow das Ruder beim HSV übernommen und in ruhige Gewässer gelenkt. Man merkt richtig, dass in der Vorstandsetage ein vernünftiger Tonfall und Umgang herrscht. Nicht alles ist immer rosig, aber der Umgang mit den alltäglichen Problemen ist lautlos. Ein Vorstand - eine Meinung. Das ist mittlerweile keine Floskel mehr und sorgt für Entspannung. Und ich denke, dass nur so eine Grundlage für gutes Arbeiten im Verein geschaffen werden kann. Ein Sonderlob geht an Frank Arnesen! Der symphatische Däne wurde unter Versprechungen nach Hamburg gelockt, die letztendlich nicht mehr erfüllt werden konnten. Aber anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, packte er an. Seine Anfangs belächelten Neuzugänge aus Chelsea erwiesen sich als absolute Bereicherung und unterstreichen sein großes Fachwissen. Die Verpflichtung von Thorsten Fink als Trainer war quasi noch das Sahnehäubchen auf dem Ganzen. Mange tak, Frank!
Zum Schluss möchte ich auch noch ein paar Zeilen den unerschrockenen, unermüdlichen, absolut loyalen und tollen Fans unseres HSV widmen. Im Sommertrainingslager waren ca. 500 Fans mitgereist, um die Jungs bei der Saisonvorbereitung zu unterstützen. Hallo? 500 Fans? Und diese und noch viel mehr Fans rund um den HSV erlebten die, für alle Beteiligten, grausame Zeit, als unser HSV auf dem letzten Platz der Tabelle sein Dasein fristete. Aber anstatt zu resignieren und alles schlecht zu reden, wurde Flagge gezeigt. "Jetzt erst recht!" und "Mit Geduld zum Erfolg!" waren gängige Begriffe, glaubte man doch an das große Potenzial der Mannschaft. In der ganzen miserablen Zeit, so hatte ich das Gefühl, sind wir noch enger zusammengewachsen. Und gerade jetzt, wo es langsam wieder bergauf geht, brauchen unsere Jungs alle Unterstützung, die sie bekommen können. Und dann werden wir es gemeinsam schaffen, dass die Gegner wieder mit Respekt das Volksparkstadion betreten. Denn: "Hier regiert der HSV!!!"
Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und freue mich schon jetzt wieder auf die Rückrunde der Bundesliga - eben die schönste Nebensache der Welt!
Euer Hucky










