Es gibt Fußballspiele, die keiner vergisst. Kein Aktiver, kein Zuschauer. Es gibt Spiele, die zur Legende werden. Wie das 4:3 des Lüneburger SK gegen den VfR Neumünster heute vor exakt 25 Jahren in der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord. Ein Spiel, das alle Zutaten eines Klassikers vereint: eine große Kulisse mit 6000 Fans in Wilschenbruch, tropische Hitze, eine furiose Aufholjagd des eigentlich schon geschlagenen LSK. Und ein 17-jähriger Held, der mit drei Treffern das Ruder herumreißt. Karsten Wagner.
Die Wagner-Festspiele in Lüneburg - gekrönt hat er sie mit dem Treffer zum Endstand in der 84. Minute. Drei Verteidiger hatte der Elektroinstallateur-Lehrling, schon damals nur Schnecke genannt, umkurvt, Keeper Bublitz ließ er auch stehen. Kommentar Wagner: "Eigentlich wollte ich den Ball ja da schon ins lange Eck schieben, aber als ich sah, wie er sich hinlegt, da habe ich mir gedacht, umkurvst ihn eben auch noch . . . " Was auch gelang. "Das hat sich so fest eingebrannt", sagt Schnecke Wagner heute, "mir kommt's vor, als wenn das gerade vor einem Jahr passiert ist."
Der LSK war als souveräner Verbandsliga-Meister in die Runde gegangen. Mehr als 2000 Zuschauer im Schnitt kamen in der regulären Serie, 6000 und mehr zu den Heimspielen der Aufstiegsrunde. "Die haben dann ordentlich auf die Werbebanden draufgehauen", erinnert sich Ralf Sievers, damals 18 Jahre jung, "davon war jeder Gegner beeindruckt."
Vor dem 14. Juni 1980 hatte der LSK mit Neumünster diverse Rechnungen offen - das 0:2 aus dem Hinspiel, aber auch die Ergebnisse aus dem Jahr zuvor, als der VfR mit einem 2:1 und 1:1 den Lüneburger Aufstieg verhindert hatte. An jenem heißen Sonnabend schienen die Holsteiner erneut die besseren Nerven zu haben, gingen kurz nach der Pause 3:1 in Führung. Da "gab keiner mehr das Schwarze unterm Fingernagel für den LSK", notierte die Landeszeitung. Abwehrrecke Kurt Körtge ärgerte sich maßlos über "dumme Gegentore, die einfach nicht fallen dürfen". Doch dann kam Wagner für den ausgepumpten Sievers. Ein Kopfball, ein Abstauber und das Solo zum 4:3 - der junge Neetzer hatte in 19 Minuten alles vergessen lassen. Und sollte drei Tage später beim 1:0 in Bergedorf vor 10 000 Zuschauern wieder treffen, diesmal in der 90. Minute.
"Es ist kaum zu fassen", war Trainer Horst Rieckmann überwältigt, "ich bin glücklich und sprachlos." Drei Bergedorfer flogen in der heißen Schlussphase vom Platz. Als erster der heutige Duisburger Trainer Norbert Meier, dessen Vater den Schiri nach dem Schlusspfiff mit einem Regenschirm angriff. Alles kleine Anekdoten rund um eine große Zeit.
"Wir waren damals eine richtig tolle Mischung aus Kämpfern und Technikern", betont Stürmer Wolfgang Fleske, dem gegen Neumünster das zwischenzeitliche 1:1 geglückt war, "und wir hatten eine tolle Kondition." Das nicht nur auf dem Platz. Am Dienstag, 17. Juni 1980, damals noch ein Feiertag, stand der Aufstieg endgültig fest. "Dann ging's mit dem Autokorso von Bergedorf nach Lüneburg", so Alfred Warsitzka, "und wir haben eine Woche durchgefeiert."










