LZsport.de

das lokale sportportal für die region lüneburg

  • Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Der Mann, der den Handball lebt: Jörg Ruschmeyer

E-Mail Drucken

Wenn er auflief, nahmen die gegnerischen Torhüter schon eine leicht geduckte Haltung ein. Er war die personifizierte Torgefahr mit einer Trefferquote von mindestens 150 und mehr pro Saison. Seit 1990 prägt Jörg Ruschmeyer den Männer-Handball in Lüneburg - erst als Spieler, jetzt als Trainer. Er schaffte es, zu einer Identifikationsfigur seines Sports in dieser Region zu werden.

 

Nach der Saisson 1987/88 hätte Ruschmeyers Karriere beinahe eine spektakuläre Entwicklung genommen. Kein Geringerer als der THW Kiel hatte dem wurfgewaltigen Linkshänder einen Vertrag angeboten. Eigentlich war auch schon alles klar mit den "Zebras". Eigentlich. "Ich war damals schon in fester Anstellung beim Landkreis Harburg", erzählt der heute 42-Jährige, "einen solchen Job sollte ich auch in Kiel als berufliche Perspektive bekommen. Aber dann wollten die mich bei der Bundeswehr unterbringen. Wenn es also mit dem Sport nicht geklappt hätte, wäre ich mein Leben lang bei der Bundeswehr gewesen. Das war nicht die Perspektive, die ich mir vorgestellt hatte."

Ruschmeyer ging zurück zu seinem Heimatverein HG Winsen, spielte dort in der Regionalliga. Den Abstieg nach nur einem Jahr bezeichnet er "als größte sportliche Enttäuschung" seiner Laufbahn. Es folgten später noch einmal Angebote von den Zweitligisten SG Hameln und VfL Fredenbeck. "Aber auch da stimmte die berufliche Perspektive nicht. Ich bin da nun einmal ein sehr vorsichtiger Mensch."

1990 wechselte er zur HSG Lüneburg. Und war von da an die prägende Figur im Männer-Handball in dieser Region (von einem kurzen Abstecher zum VfL Geesthacht 1995 abgesehen). Ruschi erlebte die ganze Bandbreite des sportlichen Spektrums: Glanzvolle Siege und Aufstiege bis in die Oberliga, bittere Niederlagen und Abstiege bis in die Heideliga.

Jörg Ruschmeyer war, das haben Torjäger so an sich, eine Reizfigur. Seine spektakuläre Spielweise bescherte ihm viele Fans, aber natürlich auch sportliche Rivalen. Aber er blieb sich und der HSG treu. Trainer kamen und gingen, andere Spieler kamen und gingen - Ruschi blieb.

Er blieb "auf der Platte" so lange es ging. "Wenn die Leute auf der Tribüne sagen: 'Mensch, früher konnte der mal richtig gut Handball spielen', dann höre ich auf", sagte er einmal. Die Leute auf der Tribüne hätten ihn gern noch länger gesehen, seine Tore bejubelt. Aber 2002 ging es nicht mehr. Die Knie machten einfach nicht mehr mit. Über 30 Jahre Leistungs-Handball forderten ihren Tribut. "Ich wollte keine Spätfolgen riskieren", sagt Ruschmeyer, "aber der Schritt ist mir damals unendlich schwer gefallen. Da brach dann etwas weg, was fast mein ganzes Leben da war."  Als Lüneburgs Sportler des Jahres 2002 wurde er ausgezeichnet, erhielt die Lüneburg-Medaille. Anerkennungen für außergewöhnliche sportliche Leistungen.

Jörg Ruschmeyer lebt den Handball. Ganz oder gar nicht - nur ein bisschen geht für ihn nicht. Niederlagen waren und sind ihm ein Graus. "Früher hatte ich nach Niederlagen tagelang schlechte Laune. Mittlerweile habe ich gelernt, sie zu akzeptieren, weil sie nun mal zum Sport dazugehören. Aber ein verlorenes Spiel kann mich trotzdem immer noch richtig runterziehen." Mittlerweile hat sich Ruschi auch als Trainer einen Namen gemacht.

Nachdem er das Team zigmal neu aufbauen musste, formte er nun eine junge, hungrige Lüneburger Mannschaft, die begeisternden Handball spielt. Unlängst lehnte er die interessante Offerte eines künftigen Verbandsligisten ab. Dorthin will er nämlich mit Lüneburg in der kommenden Saison selbst.

Kommentare 

 
+2 #2 2010-06-17 11:52
Willst Du als Torhüter nicht wieder einsteigen!?
 
 
+3 #1 2010-05-15 21:30
Auch aus dem Süden Deutschlands bekommt mein alter und langjähriger Weggefährte Ruschi die Anerkennung, die er sich verdient hat! Mach weiter so!!!
Viele Grüße

Lars
 
=> Hall of Fame Der Mann, der den Handball lebt: Jörg Ruschmeyer