Mit 13 Jahren war die gebürtige Oberschlesierin jüngste Teilnehmerin bei den ländlichen polnischen Meisterschaften. Mit 64 ist sie jetzt die älteste Aktive in der Landesliga. Tischtennis bestimmt das Leben von Doris Diekmann (ESV Lüneburg), seit ihr der große Bruder am Küchentisch das Spiel beigebracht hat. Dennoch musste sie mehr als ein halbes Jahrhundert warten, um ihre erste Medaille bei Deutschen Meisterschaften zu gewinnen. Die zweite folgte nur ein paar Stunden später bei der Senioren-DM 2003 in Erfurt. Bronze im Einzel und im Doppel in der Altersklasse ab 60 - ein unerwarteter Erfolg.
Auch für sie selbst. "Die Gegnerinnen wurden nervös, aber ich hatte nichts zu verlieren." Und so spielte Doris Diekmann auf. Locker, flockig, ohne Angst vor der Niederlage. Nur einmal versuchten sie und ihre Doppelpartnerin Rosemarie Preininger (Hannover) zu taktieren, setzten prompt das schon gewonnen geglaubte Halbfinale in den Sand. Doch Doris Diekmann ist nicht der Typ, der sich lange ärgert: "Wenn ich verliere, dann war die Gegnerin halt besser."
Tischtennis macht der dreifachen Großmutter, die auch für Treubund Lüneburg in der Handball-Oberliga spielte und passionierte Leichtathletin war, einfach Spaß. "Ich freue mich auf jedes Training." Ergebnisse und Erfolge, so scheint es, sind zweitrangig. Einige Pokale aus den vergangenen Jahrzehnten sind im Wohnzimmer verstreut, eine DM-Bronzemedaille liegt versteckt auf einem Bücherhaufen. Aber wo ist die andere Plakette ? "Ach ja, in meiner Handtasche." Die Eisenbahnerin, die niemals eine war, sondern Bürokraft in der städtischen Friedhofsgärtnerei, kennt nur zwei Beweggründe für den Sport bis über das 60. Lebensjahr hinaus: "Man spielt, weil man ehrgeizig ist oder aus Liebe zum Sport." Keine Frage, zu welcher Gruppe sie gehört.
Doris Diekmann hat manche Krankheit hinter sich, einen schweren Autounfall - und bringt dennoch unbeirrt ihre Leistung in der Landesliga. Mit 25 Siegen in 38 Spielen steht die Seniorin auf Platz eins im unteren Paarkreuz: "Die jungen Spielerinnen unterschätzen mich vielleicht, aber ich bin halt immer noch schnell an der Platte." Etwas böse wird die vielfache Kreis- und Bezirksmeisterin nur, wenn man ihr Materialspiel unterstellt. Doris Diekmann holt ihren doppelseitig benoppten Schläger: "Das ist ein ganz einfacher, der hat vor gut zehn Jahren mal keine hundert Mark gekostet. Und einen von der Art habe ich noch in Reserve."
Es klingelt in ihrer Wohnung in der Schützenstraße. Ihre langjährige Doppelpartnerin Antje Kruse ("wir feiern bald schon Silberhochzeit") schaut kurz vorbei. Sie plaudert das Erfolgsrezept ihrer Teamkameradin aus: "Je oller, je doller. Jetzt, wo Doris Rentnerin ist, wird sie immer besser." Beide schwärmen vom Zusammenhalt beim ESV, für den auch Doris Diekmanns Tochter Silke Vogelsang aufschlägt. Die Harmonie überträgt sich auch auf die Gegner. "Die anderen Mannschaften kommen immer gern zu uns", sagt Antje Kruse. Nicht zuletzt wegen des selbst gebackenen Kuchens der ESV-Seniorin.
Die denkt übrigens längst noch nicht ans Aufhören. "So lange ich kann, will ich auch spielen, und sei es in der Kreisklasse. Wenn sich eine starke Spielerin findet, dann höre ich nur in der Ersten auf", meint Doris Diekmann, begleitet von einem erschrockenen Kopfschütteln ihres Besuchs. Doch es muss so bald nicht Schluss sein, das beobachtete die Lüneburgerin in Erfurt: "Die älteste Teilnehmerin war frisch operiert, konnte nur mit einem Stock gehen und keinen Ball aufheben." Die 85-Jährige gewann übrigens in ihrer Klasse Gold gegen eine zehn Jahre jüngere Spielerin.










