LZsport.de

das lokale sportportal für die region lüneburg

  • Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Es muss knattern und stinken

E-Mail Drucken
Am 5. August wird Manou Antweiler 15 Jahre alt. Dann darf er mit einem Mofa am Straßenverkehr teilnehmen. Aber die große Vorfreude, wie bei anderen Jugendlichen, löst das bei ihm nicht aus. Schließlich ist Manou schon seit geraumer Zeit mit dem Motorrad auf den großen Rennstrecken unterwegs: Nürburgring, Hockenheimring, Eurospeedway Lausitz, Sachsenring. Und das mit großem Erfolg: In der Gesamtwertung des ADAC-Junior-Cups, der bedeutendsten Nachwuchsserie im deutschen Motorradsport, belegt er derzeit den fünften Platz.

Normalerweise drehen Vierjährige ihre ersten Runden auf einem Motorrad im Kinderkarussell - Manou war da schon mit einer kleinen Cross-Maschine unterwegs, sein Weg in den Rennsport vorgezeichnet. Als Achtjähriger fuhr er 2004 erstmals fett auf die LZ-Sportseite: Er wolle seinem großen Vorbild Valentino Rossi nacheifern, sagte der Knirps damals und nannte bescheiden sein Ziel: "Ich will Weltmeister werden." Daran und an seiner Devise - "es muss knattern und stinken. Wichtig ist, dass ein Motor dran ist und es Spaß macht" - hat sich nichts geändert.

Manou hat den Motorradsport von der Pike auf gelernt. Er wurde älter, die Maschinen größer, leistungsstärker. Im ADAC-Junior-Cup, dem Klassiker unter den Zweirad-Talentschmieden, ist der Bleckeder jetzt wie alle der fast 50 Fahrer/innen mit einer Aprilia unterwegs. Die acht Läufe umfassende Serie ist für serienmäßige 1-Zylinder-2-Takt-Motorräder bis 125 ccm und maximal 35 PS ausgeschrieben. Geringfügige Veränderungen, u. a. Rennverkleidung, Auspuff, Federn, Lenker, sind erlaubt.

Bereits im vergangenen Jahr war Manou, der bei den Rennen immer Vater Willi an der Seite hat, bei der Cup-Serie am Start und beendete sie als Neunter. Das ist um so beachtlicher, da das Team Antweiler die Rennen im Vergleich mit der teils hoch aufgerüsteten Konkurrenz eher mit bescheidenen Mitteln bestritt. "Das war schon das Maximum, mehr ging nicht", sagt der Vater.

In der aktuellen Saison leistet sich das Team nun einen "Schrauber, der richtig Ahnung hat". Mechaniker Albert Colbus aus dem Saarland trimmte Manous Aprilia auf Speed. Und es ist vielleicht nicht nur ein halbes PS mehr, das Colbus aus der Maschine kitzelte und den 14-Jährigen schneller machte. Er selbst legte sich ein Fitness-Programm auf, trainierte einige Kilo ab. Weniger Gewicht macht ihn mehr als 190 km/h schnell.

Vor dem vierten Lauf am vergangenen Wochenende auf dem Sachsenring lag Manou in der Gesamtwertung noch auf Platz zwei. Der fünfte Rang im Rennen ließ ihn zwei Plätze abrutschen. Kein Beinbruch. Denn Vater und Sohn wissen nicht, ob sie sich am Saisonende über Platz eins oder zwei freuen würden - diese Platzierungen würden den "Auf-stieg" bedeuten. Dann müsste Manou in der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) oder im Yamaha R6-Dunlop Cup starten.

Letzterer wird in der 600-ccm-Klasse mit rund 130 PS starken Viertaktern gefahren, und würde dem jungen Biker den "großen Spaß" bringen. Der Vater hat da seine Vorbehalte: "Die R6-Maschinen sind Waffen." Von den Kosten ganz zu schweigen. "Das geht dann schon in den professionellen Bereich". Hochgradig beschraubt samt der nötigen Elektronik spricht Willi Antweiler von 50 000 bis 70 000 Euro Kosten pro Saison "in einem Standard kurz vor der WM".

Und schon jetzt ist es teuer genug. Immerhin gibt es materielle Unterstützung vom ADAC Hansa, und einen Reppenstedter Bauunternehmer als Sponsor. Alles kostet. Das beginnt mit den Fahrten im zum Wohn- und Funktionsmobil umgebauten Sprinter zu den Rennstrecken, den Trainings-Turns usw. Gerne investiert Antweiler allerdings in die Sicherheitsbekleidung seines Sohnes. Stiefel, Helm, maßgeschneiderter Rennanzug mit ergonomisch geformten Protektoren, die bis zu 50 Prozent abfedern - Antweiler spricht von einer "elastischen Ritterrüstung".

=> sonstige Es muss knattern und stinken