Über was freuen sich Lüneburger Fußballer noch mehr als über eigene Siege? Über Niederlagen der lokalen Konkurrenz. Schadenfreude ist halt die schönste Freude - diesen Eindruck hinterlassen zumindest viele der Kommentare auf LZsport.de, wo wöchentlich der Untergang des Vereins A, das Scheitern des Trainers B oder die Unfähigkeit des Spielers C festgestellt wird. Ein Lob für die gute Leistung eines anderen? Derzeit so selten wie ein Lächeln von Jürgen Klinsmann...
Da gibt es "Insider", die selbst nachts um vier Uhr Zeit finden, die neusten Gerüchte zu streuen. Verschwörungen werden vermutet, wenn der Redakteur nur mal nachrichtlich erwähnt, dass sich ein Club nicht für die nächst höhere Liga beworben hat. Und wenn er bei einem Spiel ein paar Zuschauer mehr gezählt hat als die Konkurrenz, dann schläft er sicher auch in der Bettwäsche des gastgebenden Vereins.
Apropos Zuschauerzahl: "In Wilschenbruch ist die Hölle los", sang einst die LSK-Mannschaft. Mittlerweile ist fast gar nichts mehr los bei Hansa. Gerade 250 Zuschauer schauten Gründonnerstag bei bestem Fußball-Wetter, ohne dass eine andere Partie vor Ort stattfand, zum Oberliga-Spiel gegen Ottersberg vorbei. Wirklich laut mitgefiebert haben nur gut zehn Besucher, die ihre Stimmbänder zuvor aber kräftig geölt hatten - eine beschämende Kulisse für die Nummer 1 des Lüneburger Fußballs. Wobei bei der Nummer 2 und 3 derzeit auch alles andere als Gänsehaut-Atmosphäre herrscht. Jeder kocht sein Süppchen mit seinem Anhang. Und so lange es einem nicht ganz so schlecht geht wie dem Nachbarn - wozu sich dann miteinander unterhalten?
Mehr Zuschauer als in Wilschenbruch fanden sich am Sonnabend übrigens in Soderstorf und Vastorf ein. Auf dem Land herrscht noch richtige Bolzplatz-Atmosphäre, gehen die Zuschauer ordentlich mit - und nicht nur weg, sobald im Fernsehen etwas Besseres läuft. Vor Häme sind aber selbst die erfolgreichen Dorfvereine nicht sicher. Wer vom Aufstieg träumt, steigt nach dem Willen einiger Kommentatoren im nächsten Jahr bestimmt wieder ab. Und niemand sollte behaupten, dass sich da bloß ein paar anonyme Internet-Junkies austoben. Man braucht nur einmal Anhänger von Hansa, Eintracht und MTV Treubund fragen, was sie von den beiden jeweils anderen Clubs halten.
Friede, Freude, Eierkuchen wird es nie im Fußball geben - was wäre denn Dortmund ohne Schalke oder St. Pauli ohne den HSV? Einige im Lüneburger Fußball gönnen sich aber offensichtlich gegenseitig nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln. Das kann auf Dauer nicht gesund sein. Vielleicht freut man sich auch einmal über Siege der lokalen Konkurrenz? Das tut am Ende gar nicht weh.
Andreas Safft










