Eines ist gewiss: Der Tag, an dem die Bagger Grünes Licht für den Abriss in Wilschenbruch bekommen haben, wird den Lüneburger Fußball verändern. Nur wie? Der LSK und damit auch der FC Hansa werden Wilschenbruch in absehbarer Zeit aufgeben müssen. Zukunftspläne gab und gibt es zuhauf. Sie müssen nur bezahlbar sein. Und wirklich gewollt...
Rückblick: 1971 wurde das LSK-Gelände auf Drängen des Vereins unter Landschaftsschutz gestellt. Ein fataler Fehler, wie sich bald erwies. Von einer "kalten Enteignung" spricht Hansa-Chef Dietrich Conrad noch heute. Jahr für Jahr wuchs der Schuldenberg, 2001 war der LSK nach dem Debakel in der Regionalliga offiziell zahlungsunfähig. Hoffnungslos überschuldet war er schon lange. Nicht nur Vorstände, auch Kontrollgremien haben versagt.
Nur so konnte es zur Situation kommen, mit der LSK und Hansa leben müssen. Im Prinzip gibt es jetzt drei Möglichkeiten:
1. Der Erlös aus dem Verkauf von Wilschenbruch fällt so hoch aus, dass der LSK dem FC Hansa ein kleines Startkapital für eine neue Heimat mitgeben kann. Vielleicht packen die Stadt und/oder private Investoren etwas dazu, finden einen attraktiven Standort, ein tragfähiges Konzept, das nicht nur aus Fußball besteht. Zugegeben, im Augenblick wirkt eine Bundesliga-Meisterschaft des VfL Bochum wahrscheinlicher als die Umsetzung dieses Modells.
2. FC Hansa, MTV Treubund, SV Eintracht, VfL und was sonst noch in Lüneburg kickt wollen etwas gegen die allgemeine Stagnation machen, geben ihre Kleinstaaterei auf und überlegen, was sich gemeinsam realisieren lässt. Denn Oberliga und selbst Bezirksoberliga lassen sich nach diversen Spielklassenreformen unter den hiesigen Bedingungen kaum auf Dauer halten, wie augenblicklich gerade der MTV Treubund schmerzlich erfährt.
3. Alles bleibt, wie es ist, und der FC Hansa spielt in Hagen oder auf irgendeinem anderen Platz, wäre damit eine neu angestrichene LSV. Und dann darf der letzte leistungswillige Fußballer bald das Licht ausmachen.
In den kommenden Wochen und Monaten wird sich nicht nur zeigen, wie die Fußball-Verantwortlichen denken. Auch die Stadt kann zeigen, dass ihr der Sport mehr am Herzen liegt, als es in den vergangenen Jahren den Anschein hatte. Schwer wird aber nicht nur für Altvordere der Tag, an dem tatsächlich die Bagger kommen und all die Erinnerungen an Spiele gegen den HSV, Schalke oder Stuttgart dem Erdboden gleich machen. Doch ein Museum für den Fußball kann sich Lüneburg nach Jahrzehnten Misswirtschaft leider am allerwenigsten leisten.
Andreas Safft










