Eigentlich könnte Fußball so einfach sein. Wer am Ende der Saison die meisten Punkte gesammelt hat, der ist Meister und darf aufsteigen. Sofern er nicht gerade in der Oberliga spielt. Denn dort gibt es erstens eine Relegation und zweitens einen viele Seiten starken DFB-Katalog, den die Vereine erfüllen müssen, um in die Regionalliga zu dürfen. Wer darf? Wer will überhaupt noch?
Der Goslarer SC, designierter Meister in der Ost-Staffel, will. Das Team trainiert unter Vollprofibedingungen, hat einen vermögenden Mäzen und einen regen Sponsorenpool im Rücken. Doch es fehlen mehrere Millionen Euro, die in das Stadion gesteckt werden müssten, um es reif für die Regionalliga zu machen. Die aber die Stadt nicht spendieren will. In Essen wird sich die Kommune mit 24 Millionen Euro an der neuen Arena von Regionalligist Rot-Weiss beteiligen. Nun, Essen ist etwas größer und auch fußballverrückter als Goslar. Also müssen andere Ideen her.
Der GSC schaute sich nach einem Ausweichquartier um. Göttingen? Einst gut genug für die 2. Liga und Länderspiele, jetzt nicht einmal ansatzweise für die Regionalliga geeignet. Wolfsburg? Ausgelastet durch die Zweite und die Frauen. Jetzt wird das 120 Kilometer entfernte Celle favorisiert. "Es gibt auch seitens der Stadt Celle großes Interesse, Regionalliga-Fußball in der Stadt zu haben", stellte Goslars Trainer Goran Barjaktarevic fest. Was für ein Wahnsinn. Die Alternative zu einem Jahr im Exil heißt aber Auseinanderfallen des Teams, das die Oberliga eh nur als Übergangssaison gesehen hat.
Die hohen Anforderungen und Goslars beträchtlicher Vorsprung sorgen dafür, dass es aus der Ost-Staffel ansonsten wohl gar keine Bewerbung gibt. Ob sich in Bremen, Hamburg oder Schleswig-Holstein in dieser Saison - oder überhaupt jemals wieder - Aufstiegskandidaten finden, darf bezweifelt werden. Abgesehen von den Auflagen: Ist die Regionalliga wirklich eine Liga, in der Vereine glücklich werden können?
Die Realität sieht anders aus: Hannover 96 II muss vor 126 Zuschauern gegen Türkiyemspor Berlin in der AWD-Arena spielen, weil die Eilenriede nicht komplett umzäunt werden kann. Altona setzt seinen kompletten Trainerstab aus Kostengründen vor die Tür, Wilhelmshaven stand wegen Ärgers mit der Stadt im Winter kurzzeitig ohne Stadion da, Spitzenreiter Kiel musste zeitweise wegen des Flutlichts den Zwangsabstieg befürchten. Mit Insolvenzclub Sachsen Leipzig steht mittlerweile der erste Absteiger fest.
Die Regionalliga scheint gemacht zu sein für zweite Mannschaften und neureiche Truppen. Traditionsvereine a la Magdeburg wollen nur schnell nach oben, Amateure kommen gar nicht erst rein. Interessant zum Beispiel der Fall FC Memmingen: "Die Last eines Aufstiegs ist aktuell zu schwer. Sie würde den Verein erdrücken", stellte der Vereinspräsident Armin Buchmann nach gründlicher Prüfung fest - und verzichtete auf eine Regionalliga-Bewerbung. Denn: Der Kapitaleinsatz in den Regionalligen sei "bizarr und unwirklich". Ach ja, in der kommenden Serie wird nebenbei das TV-Geld von 163.000 auf 90.000 Euro pro Team zusammengestrichen, damit die Drittligisten mehr bekommen.
Was hilft? Wahrscheinlich nur die nächste Ligenreform, vielleicht sogar die endgültige Trennung zwischen Profi- und Amateurfußball. Ehrlicher wäre es allemal als der aktuelle Zustand.
Andreas Safft










